1926 - 1976 - 1986 - 1996 - 2026
Bigband feiert Vereinsjubiläen
Das Swinging Orchestra Schönberg e.V. feiert sein 30jähriges Bestehen, kann dabei aber bereits auf eine 100jährige Vereinsgeschichte zurückblicken.
Angefangen hat alles im Jahr 1926, genauer gesagt am 27.04.1926. An diesem Tag gründeten H. Scharnberg, F. Püst sen., H. Haßler, H. Voß, W. Zingelmann, O. Dürkop, W. Hamann, W. Hering, H. Pöhls, J. Stoß und E. Witten einen Spielmannszug im TSV Gut Heil Dwerkaten von 1925 Lütjensee e.V.
Aller Anfang ist schwer, und so hatten auch die Spielleute der „ersten Stunde“ viel Fleiß und Ausdauer zu investieren, bevor sie ihr Können auf den Sport- und Schützenfesten in der näheren Umgebung Lütjensees und Schönbergs unter Beweis stellen konnten. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Spielmannswesen für Propagandazwecke vereinnahmt. Der konzertante Bereich trat in den Hintergrund. Das Turnerspielmannswesen erlosch damit nach relativ kurzer Zeit. In Lütjensee/Schönberg stellte man alle musikalischen Aktivitäten mit Kriegsbeginn im September 1939 ein.
Aber schon im Jahre 1951 begann man damit den Spielmannszug wieder aufzubauen, der schnell wieder spielfähig wurde. Bereits im Sommer 1952 konnten die Spielleute auf dem Sommersportfest in Lütjensee erstmalig wieder auftreten. 1953 war man dann in der Lage nach Noten zu spielen, und aus den anfänglich 15 Spielleuten war ein stattlicher Musikzug von 28 Mann geworden. Der Spielmannszug erwarb sich einen guten Ruf, und konnte bald vielen Einladungen zu Sportfesten, Vogelschießen, Volks- und Schützenfesten folgen.
Ein einprägsames Ereignis erlebten die Spielleute am 1. Oktober 1959. Mit klingendem Spiel begleitete der Spielmannszug einen Kameraden in die Truppenunterkunft nach Boostedt bei Neumünster, wo dieser seine Wehrpflicht ableisten sollte. Der Spielmannszug wurde vom Kompaniechef begrüßt, und der Bataillonskommandeur spendierte Kaffee und Kuchen.
Im Jahr 1976 feierte man das 50jährige Bestehen des Spielmannszuges mit einem großen Musikfest in Lütjensee, an dem 15 Musikzüge aus der näheren und weiteren Umgebung Lütjensees und Schönbergs teilnahmen. Unmittelbar nach der Jubiläumsfeier war es zwischen dem Spartenleiter des Spielmannszuges und dem Vorstand des TSV zu einer heftigen Kontroverse gekommen, in deren Verlauf der Spartenleiter sein Amt niederlegte. Daraufhin erklärten sich fast alle Spielleute mit ihrem Spartenleiter solidarisch und beschlossen, einen vom Sportverein getrennten eigenständigen Spielmannszug in der Gemeinde Schönberg zu gründen. Dieses war dann am 1. Oktober 1976 die offizielle Geburtsstunde des Schönberger Spielmannszuges von 1976 e.V.
Wie schon in den vorangegangenen Jahrzehnten, so hatten es sich die auf der Gründungsversammlung anwesenden Musikfreunde zur Aufgabe gemacht, das Spielmannszugwesen weiter zu pflegen und auszubreiten. Weit über die Grenzen des kleinen Ortes hinaus hat man sich für diese Idee begeistert. Aus fast allen Orten des Amtes Sandesneben, einigen Gemeinden des Kreises Stormarn und sogar aus Hamburg sind Musikfreunde dem Verein beigetreten, um ihn aktiv und passiv zu unterstützen.
In den Folgejahren trat der Verein dem Kreissportverband Herzogtum Lauenburg bei. Dadurch konnten die Vereinsmitglieder erstmals an Lehrgängen der Bundesmusikschule in Alt Gandersheim (Harz) teilnehmen. Weitere Möglichkeiten musikalische Fachseminare zu besuchen eröffnete der Beitritt des Spielmannszuges zum Musikerverband Schleswig-Holstein. So fanden über viele Jahre hinweg in der „Alten Schule“ in Schönberg verschiedenste Lehrgänge unter der Leitung von Fachkräften statt, die vom Musikerverband gestellt wurden.
Ab dem Jahr 1978 veranstaltete man jährlich einen „Musikalischen Frühschoppen“ in Schönberg, anfänglich noch auf dem Festsaal der Gaststätte „Zur Alten Post“. Später fanden diese Veranstaltungen im Festzelt des „Gasthofs Stamer“ und auf dem „Kornboden“ der Familie Müller-Krumwiede statt. Ab 1980 organisierte der Spielmannszug jährlich jeweils im November zusammen mit den Feuerwehrmusikzügen des Amtes Sandesneben einen großen Konzertabend in der Sandesnebener Sporthalle. Die Reinerlöse dieser Veranstaltungen wurden immer für einen „guten Zweck“ gespendet.
Die Musikerinnen und Musiker des Spielmannszuges sind mit den Jahren viel herum gekommen. Neben Aufenthalten im Schwarzwald, im Bayrischen Wald, auf Helgoland und in Kopenhagen sind besonders die Konzertreisen nach Holland (1980 – zusammen mit dem TSV Ahrensburg), Spanien (1988) und Italien (1990) hervorzuheben. Einen besonderen Stellenwert in der Vereinsgeschichte haben die Konzertreisen nach Polen, die in den Jahren 1987, 1991 und 1999 stattfanden. Begonnen hat alles im Jahr 1986, als man bei einer Ferienfreizeit erste Kontakte zu einem Jugendblasorchester im polnischen Sieraków an der Warthe aufnahm. Hieraus entwickelte sich eine intensive Partnerschaft, in deren Verlauf das polnische Orchester in den Jahren 1986, 1989, 1993 und 2001 zu Gast in Schönberg war. Anlässlich des 10jährigen Bestehens des Schönberger Spielmannszuges im Jahr 1986, bei dem das polnischen Jugendblasorchester erstmals zu Besuch in Deutschland war, veranstaltete der Verein das Kreismusikfest, an dem rund 500 Musikerinnen und Musiker mitwirkten und mehrere Tausend Zuschauer zu Gast in Schönberg waren. Die Partnerschaft zur polnischen Stadt Sieraków besteht zwischenzeitlich seit 40 Jahren und wird von in beiden Kommunen gegründeten Fördervereinen weiterhin aufrechterhalten.
Beginnend in den 90er Jahren nahm das Interesse am Spielmannszugwesen einhergehend mit einer Fülle an neuen Freizeitangeboten im ländlichen Raum insbesondere bei den Jugendlichen deutlich ab. Der Verein hatte es schwer, weiterhin ausreichend Nachwuchs zu finden, benötigte man doch für einen gut klingenden Spielmannszug immerhin rund 35 Spielleute. Auf der Suche nach einer auch in der Zukunft tragbaren Lösung für dieses Problem entschied sich ein Teil der Spielleute, einen neuen musikalischen Weg einzuschlagen: Den Aufbau einer Bigband. Unterstützt von der Gemeinde Schönberg wurden ab 1994 die erforderlichen neuen Musikinstrumente beschafft und die Proben aufgenommen. Nach drei Jahren harter Arbeit, in denen parallel weiterhin diverse Auftritte des Spielmannszuges erfolgten, präsentierte sich das "Swinging Orchestra Schönberg" erstmals im November 1996 bei einem Konzertabend in der Sandesnebener Sporthalle der Öffentlichkeit.
Motiviert durch den großen Erfolg dieses ersten Konzertes ging man daran, das Repertoire weiter auszubauen und weitere Musiker für die Bigband zu gewinnen. Insbesondere die Rhythmusgruppe und die Blechbläser waren über lange Zeit chronisch unterbesetzt. Glücklicherweise ergaben sich freundschaftliche Kontakte zur Hamburger Bigband „The Openers“, mit der man sich zwischenzeitlich seit vielen Jahren personell ergänzt, gegenseitig unterstützt und gemeinsame Konzerte veranstaltet.
Die Musikerinnen und Musiker haben sich die in den 1920er-Jahren in den USA aufgekommenen und für die Swing-Ära stilprägend gewordenen Bigbands zum Vorbild genommen. Dabei fühlen sie sich aber nicht nur dem Swing, Soul, Gospel und Blues verpflichtet, auch viele Musikstücke aus den Genres der Rock-, Pop-, Musical- und Filmmusik haben Eingang in das Repertoire gefunden. Die Band hat sich nunmehr in den letzten Jahren zu einer dynamischen Kraft in der hiesigen Musikszene entwickelt. Anders als viele andere Musikvereine hat die Band die dreijährige Coronakrise, in der man aufgrund des Einsatzes von Blasinstrumenten weder proben noch auftreten durfte, verhältnismäßig gut überstanden. Alle Musikerinnen und Musiker konnten in der Band gehalten werden.
Die Band ist auf den Bühnen der Region unterwegs. Sie tritt regelmäßig bei öffentlichen und privaten Veranstaltungen auf und bietet zwischenzeitlich vermehrt sehr erfolgreich auch eigene Konzertveranstaltungen, wie z. B. eine "Jazz-Night"‘ auf dem Kornboden in Schönberg und ein "Swinging Christmas" in der Trittauer Wassermühle, an.
In der zwischenzeitlich 100jährigen Vereinsgeschichte haben sich zahlreiche Menschen im und für den Verein engagiert. Stellvertretend für diese vielen ehrenamtlich Tätigen seien an dieser Stelle die Namen und Amtszeiten der Spartenleiter und späteren Vereinsvorsitzenden genannt: In den 1920er/1930er Jahren Karl Hillebrandt; 1951- 1955 Otto Jarchow; 1956 – 1963 Ernst Burmeister; 1964 Johannes Martens; 1965 – 1970 Heinrich Stamer; 1971 erneut Ernst Burmeister; 1972 – 1975 Alfred Pöhls, 1976 – 84 erneut Ernst Burmeister; 1985 – 1988 Heinrich Kohl; seit 1989 Peter Urgien.
Die in diesem Jahr zusammen fallenden vier Jubiläen feiern die Musikerinnen und Musiker des Swinging Orchestra Schönberg mit einer Konzertreise vom 1.- 3. Mai in die polnische Partnergemeinde Sieraków, einem Sommerfest für alle Vereinsmitglieder und deren Partner:innen am 27. Juni sowie einem großen Jubiläums-Galakonzert am 3. Oktober in der Amtsarena Sandesneben.